Freitag, 19.10.2018 17:16 Uhr

E-Fahrzeug oder Diesel – Fakten in einem Glaubenskrieg

Verantwortlicher Autor: Hubertus C. Tuczek München, 19.07.2018, 21:16 Uhr
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Bei SUVs sind Diesel nach wie vor sehr beliebt
Bei SUVs sind Diesel nach wie vor sehr beliebt   Bild: Hubertus C. Tuczek

München [ENA] Debatten werden in der heutigen Zeit des analogen und digitalen Medien- und Meinungsechos oft einseitig überhöht. Realitäten schaffen dann oft andere Wirklichkeiten. Dies gilt auch für die Bewertung von Diesel- und Elektro-Fahrzeugen, die aktuell leidenschaftlich diskutiert wird.

Zu den Realitäten gehört, dass Diesel mit moderner Abgasreinigung (inkl. SCR-Filter) ein im technischen Vergleich sehr gutes Emissionsverhalten haben. Allerdings kostet dies viel Geld (ca. 1.500,- € Mehrpreis pro Auto), was sich bei Kleinwagen wirtschaftlich nur bedingt rentiert. Die andere Wahrheit ist, dass die Kunden nicht bereit sind für E-Fahrzeuge (also lokale Emissionsfreiheit) mehr zu bezahlen. Dazu kommt, dass die Hersteller bis 2021 die 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer für alle verkauften Neuwagen erreichen müssen. Der Diesel schneidet beim Kohlendioxidausstoß deutlich besser ab als der Benziner, weshalb es ohne Diesel wohl kaum zu schaffen ist.

Jetzt könnte man argumentieren, dass doch nur mehr E-Fahrzeuge verkauft werden müssen, und dann passt das schon. Die Fahrzeughersteller werden sie auch alle im Angebot haben und investieren dafür viel Geld in sogenannte Multi-Energy Plattformen, die mit allen Antriebsarten ausgestattet werden können. Selbst wenn die Kunden sich in großem Stil für die Elektro-Antriebe begeistern, bleibt das Problem, dass es die Fabriken für die erforderlichen Batteriekapazitäten gar nicht gibt. Die Firmen scheuen die Milliarden-Investitionen, da die aktuelle Leistungsfähigkeit der Lithium-Ionen-Batterie unbefriedigend ist und in Zukunft möglicherweise durch eine Festkörpertechnologie abgelöst wird.

Betrachtet man also alle Fakten zusammen, dann ergibt sich ein realistisches Szenario, bei dem im Jahr 2030 – also in 12 Jahren – ein Anteil von 5 bis 10% der verkauften Fahrzeuge (light vehicles) rein elektrische Antriebe (BEV) haben und sich gemeinsam mit den Plug-In-Hybrids (P-HEV) auf 20 bis 25% summieren. Bezogen auf den Gesamtbestand der Fahrzeuge von ca. 1,6 Mrd entspricht dies lediglich einem einstelligen Prozentanteil der E-Fahrzeuge (inkl. Hybrid) im Jahr 2030. Bis sich der Gesamtbestand nachhaltig in Richtung E-Mobilität verschiebt dauert es somit bis in das Jahr 2050. Dieser Ausblick zeigt, dass wir gut daran tun, die aktuellen Antriebsarten nicht zu verdammen, sondern zu optimieren.

Eine Wahrheit ist auch, dass wir mit unserer kritischen Betrachtung der Automobilindustrie dazu beitragen, dass sie sich seitens Emissionen in die richtige Richtung entwickeln. Allerdings sollten dabei Fakten und wirtschaftliche Zusammenhänge nicht vernachlässigt werden. Letztendlich entscheiden wir mit unserem Käuferverhalten über die tatsächlichen Entwicklungen. Einen derart riskanten Kurs in die Elektromobilität, wie es die Firma Tesla derzeit vorführt, würden wir bei unseren deutschen Herstellern als ein unverantwortliches Risiko für Arbeitsplätze ansehen. Wir sind gut beraten, unserer aktuell international sehr erfolgreichen Automobilindustrie den Rücken zu stärken, letztendlich profitieren wir alle von deren wirtschaftlichen Stärke.

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