Freitag, 19.10.2018 18:16 Uhr

Causa Carp: Kontroverse um Ruhrtriennale hält an

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 08.08.2018, 12:29 Uhr
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Zürich [ENA] Eigentlich ist Stefanie Carp für die kommenden drei Jahre gewählte Intendantin der Ruhrtriennale. Aber ob sie in diesem Amt überlebt, ist heute, einen Tag vor der feierlichen Eröffnung im Landschaftspark Duisburg-Nord, noch vollkommen offen. Carps Lavieren, von der Ein-und Ausladung einer Band bis zu einer, zur Diskussion um die Kunstfreiheit verklärten, einseitig besetzen Gesprächsrunde irritiert zu Recht.

Für den 18. August war ein Auftritt der Band "The Young Fathers" vorgesehen, die von der Intendantin persönlich eine Einladung erhalten hatte. Als sich immer mehr Leute dagegen zur Wehr setzten, einer offensichtlich der israelfeindlichen Boykottbewegung BDS nahestehenden Gruppe eine Plattform zu bieten, fiel auch Carp um und lud die Band wieder aus. Nach verunglückten Erklärungsversuchen der Intendantin vor dem Düsseldorfer Landtag und bei ihrer politischen Vorgesetzten NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, in dessen Verlauf sich Stefanie Carp nur wiederwillig und ungenügend vom Vorwurf des Antisemitismus befreien konnte, lud sie die Band wieder ein, die ihr aber postwendend eine klare Absage erteilte.

Als Ersatzveranstaltung ist nun am gleichen Datum eine Diskussionsrunde zur "Freiheit der Künste" angesetzt. Vordergründiges Thema ist dabei das Selbstverständnis und der Umgang mit der "Legitimation von Boykott-Strategien" vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte in diesem Land. Dass es aber eigentlich um ganz was Anderes geht, wird aus der Zusammensetzung der Teilnehmenden ersichtlich: neben der Kultuministerin Pfeiffer-Poensgen und dem Vorsitzenden des Vereins Freunde und Gönner der Ruhrtriennale tauschen sich dann zwei Künstler unter der Leitung des ehemaligen Bundestags-Präsidenten Dr. Norbert Lammert aus, von denen mindestens einer offen für ein Boykott des Staates Israel einsetzt.

Und die Politik tut nun das, was sie immer tut, wenn es eng wird: sie versteckt sich hinter plötzlich aufgetauchten Termin-Kollisionen. Konkret, weder NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, noch seine Ministerin für Kultur werden sich zur Eröffnungsfeier der Ruhrtriennale am morgigen Donnerstag einfinden. Das Verhalten der Intendantin Carp hätte bei ihm "schwere Irritationen" bewirkt, weiss die Westphälische Rundschau zu berichten. "Antisemitische oder das Existenzrecht Israels in Frage stellende Aktionen sieht der Ministerpräsident demnach nicht von der Kunstfreiheit gedeckt", zitiert das Blatt aus "Kreisen in Düsseldorf" weiter. Doch für solche Allgemeinplätze und symbolträchtige Massnahmen ist es zu spät, egal wie richtig sie an sich sind.

Wer mit wirklichen Taten Zeichen setzen will, muss jetzt weiter gehen. Der ehemalige Bundestagspräsident wäre gut beraten, seinen durch makelloses Handeln im Amt schwer erarbeitetes Ansehen nicht auf dem Altar einer Scheindiskussion zu opfern. Lammert kann eigentlich nicht mehr anders, als sich von der Moderation des fragwürdigen Anlasses zurück zu ziehen. Und Pfeiffer-Poensgen muss endlich die Reissleine ziehen und die untragbar gewordene Intendantin entlassen. Damit die Ruhrtriennale nicht den Weg des Echo geht. Das Schicksal dieser beiden Kultur-Glanzlichter in diesem Jahr offenbart aber auch ein tieferliegendes Problem, das angegangen werden muss. Antisemitismus droht in Deutschland wieder salonfähig zu werden. Das darf nicht passieren!

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