Samstag, 20.10.2018 12:11 Uhr

Deutsch-israelische Regierungskonsultationen in Jerusalem

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Jerusalem, 08.10.2018, 21:17 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 2542x gelesen

Jerusalem [ENA] In der vergangenen Woche fanden zum 7. Mal die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen statt. Das vom Frühjahr, aufgrund der schwierigen Regierungsbildung in Deutschland verschobene Treffen, stellte inhaltlich die Förderung der wissenschafts-technologische Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Angela Merkel wurde zum Ehrendoktor der Universität Haifa ernannt, die 3. solche Auszeichnung in Israel für sie.

Diese aktuelle Runde der Begegnungen beider Kabinette war ursprünglich für Frühjahr 2018 geplant gewesen. Der Himmel zu jener Zeit war jedoch getrübt gewesen, was einen Journalisten in der Pressekonferenz der beiden Regierungschefs zur Frage veranlasste, ob denn die Differenzen zwischenzeitlich ausgeräumt seien. In ihren Antworten waren sowohl Netanjahu wie Merkel offenkundig darum bemüht, die Verschiebung auf die komplexe Regierungsbildung in Deutschland zu schieben. Und in der Tat konnte beim Zuhören der Eindruck entstehen, beide Seiten bewerteten die verbindenden Elemente höher als das Trennende: etwa als Netanjahu Merkels Führungsqualitäten lobte, und sie dezidiert von jüdischen Staat sprach, das sich im schwierigen Umfeld behaupte.

Der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist Teil des Pflichtprogramms. Aber man nimmt Frau Merkel die Betroffenheit ab. Es klingt ehrlich, wenn sie von der immerwährenden Verpflichtung Deutschlands und vom Wunder der in den letzten 70 Jahren entstandenen Freundschaft mit Israel spricht. Dass dies in der aktuellen Abgrenzung zur AfD und dem immer deutlicher zutage tretenden antijüdischen Tendenzen auch eine starke innenpolitische Komponente enthält, tut der Sache keinen Abbruch. Auch den Antisemitismus-Beauftragten Klein hat sie bewusst auf diese Reise mitgenommen. Das wird spätestens dann deutlich, wenn bekannt wird, man wolle einen bilateralen Jugendkreis bilden, um diese Verpflichtung in die nächste Generation weiter zu geben.

Im Zentrum der Gespräche standen wirtschaftliche Themen, mögliche Kooperationen in verschiedenen Sektoren. Netanjahu betonte das grosse Interesse Israels, mit einem der stärksten Volkswirtschaften der Welt zu kooperieren, und Merkel wurde nicht müde daran zu erinnern, dass sie es gerne sähe, wenn von der führenden Start-Up Nation etwas auf Deutschland abfärbte. Doch nicht nur bilaterale Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil prägte den Dialog. Interessant war es zu erfahren, dass Israel und Deutschland gemeinsame Entwicklungsprojekte in Afrika betrieben. In dem rosaroten Liebeswerben gingen die massiven Unterschiede, etwa in der Bewertung des Iran-Deals oder der Zwei-Staaten-Lösung fast unter.

Zugegeben, es wäre auch schwierig, die kolossale Erscheinung eines Sigmar Gabriel an der Spitze einer grossen deutschen Wirtschaftsdelegation in Teheran, wenige Tage nach Zustandekommen des Iran-Deals vergessen zu machen. Auch wenn inzwischen ein anderer Sozialdemokrat im Auswärtigen Amt waltet, mit zugegeben deutlich anderen Akzenten. Heiko Maas, der erklärtermassen „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen ist, passt halt eben auch noch wunderbar zu Angela Merkel, die einst das Existenzrecht und die Sicherheit des Srtaates Israel zur deutschen Staatsraison erhob. Und die beiden können dann zusammen mit Blick auf wirtschaftlich übergeordnetem Interesse am Iran-Deal festhalten, ohne dabei auch nur ansatzweise rot zu werden.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.