Freitag, 19.10.2018 18:34 Uhr

Kritik an Ruhrtriennale-Intendantin verstummt nicht

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Köln, 03.08.2018, 16:51 Uhr
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Köln [ENA] Es sind deutliche Worte. Gesprochen haben sie am gestrigen 1. August Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in NRW. Adressat ist die neue Intendantin der Ruhrtriennale für die Jahre 2018-20, Stefanie Carp. Der Vorwurf: "Unfähigkeit zur Reflexion und Einsicht", die Rede ist auch vom "zur Normalität gewordenen Antisemitismus" von links bis rechts. Anlass ist eine Podiumsdiskussion, vorgeblich um die Kunstfreiheit.

Ihre Wirkungszeit an der Ruhrtriennale hat noch nicht einmal richtig begonnen, schon sieht sich Stefanie Carp mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Bereits in Juni musste sie sich vor einem Ausschuss des Landtags und bei der Kulturministerin erklären - sie tat dies, nach allgemeiner Einschätzung, unter höchstem Druck, nur ungenügend. Die Ein- und Ausladung der der Boykottbewegung gegen Israel (BDS) nahestehenden irischen Band "Young Fathers" ist nur der vordergründig direkte Anlass der Kritik an Carp. Zu Reden gibt ihr verbales Lavieren in der Öffentlichekit, mit der sie sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus zu erwehren sucht. Jüngst auch mit der geplanten Podiumsdiskussion "Politisches Engagement und Kunstfreiheit", am 18. August.

Denn geladen sind zu dieser Veranstaltung, unter der Leitung des ehemaligen Budestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert, neben der schon genannten Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und dem der Chef der Festival-Förderer Michael Vesper, zwei der Boykottbewegung zugerechnete Kulturschaffende, der New Yorker Komponist Elliott Sharp, und der belgische Choreograph und TheaterregisseurAlain Platel. Gegen den Vorwurf der fehlenden Gegenstimmen verwahrte sich Carp bei der gestrigen Vorstellung des Ruhrtriennale-Programms mit dem Hinweis, "jetzt spricht die Kunst". Die Veranstaltung findet ausgerechnet an einem Samstag, dem Ruhetag der jüdischen Woche statt, und grenzt damit jüdische Vertreter von Anfang an aus.

Die Vorstände der jüdischen Gemeinden bemängeln nicht nur, dass sich Carp in der gesamten bisherigen Diskussion zum "Opfer kulturpolitischer Zwänge" hochstilisiert. Durch die Ausgrenzung jüdischer Stimmen scheine es, als wolle sich die Intendantin nicht nur dem Vorwurf des Antisemitismus verschliessen, sie wolle sich vielmehr die "Zustimmung vonseiten der Künstlerschaft und des Kulturbetriebs verschaffen - und das möglichst ohne Widerworte". Die Schlussfolgerung der 4 Landesverbände aus Nordrhein, Westfalen-Lippe, der Synagogen-Gemeinde Kölns und jener der Progressiven Jüdischen Gemeinden lautet daher: "Antisemitismus ist keine Frage der Meinungs- und Kunstfreiheit!" Für die Ruhrtriennale-Intendantin wird es eng, sehr eng.

UPDATE: die Kölner Jüdin Malca Goldstein-Wolf, eine der engagiertesten jüdischen Kämpfer gegen BDS in Deutschland, die es letztes Jahr erfolgreich gegen den Pink Floyd-Frontmann und BDS-Unterstützer Roger Waters aufnahm, organisiert für den 18. August eine Demo vor dem Veranstaltungsort in Bochum. Dafür erhält sie Unterstützung sogar von gläubigen Jüdinnen und Juden, die trotz des wöchentlichen jüdischen Ruhetages ihre Teilnahme zugesagt haben. „Wenn der Judenhass vor Shabbat .nicht halt macht, sind wir zugegen. Wir werden nicht schweigen!“ Dazu Malca Goldstein-Wolf: „Ich bin darüber schon fast stolz, weil ich aus tiefster Überzeugung glaube, dass dies die richtige Entscheidung ist. Seid engagiert und kommt am 18.8 nach Bochum.“

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